Die Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

Die Gründung des "Hauptausschusses für Arbeiterwohlfahrt" am 13. Dezember 1919 als Selbsthilfeorganisation der Arbeiterschaft war ein wichtiger Schritt und Beitrag zur Linderung der ärgsten Not. Nach dem deutschfranzösischen Krieg 1870/1871, der sich anschließenden Reichsgründung und der fortschreitenden Industrialisierung war die "soziale Frage" ein immer wichtigeres Thema geworden. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 gab es keine staatliche oder kirchliche Wohlfahrtspflege, die über den Charakter einer Armenpflege hinausging.

Wesentlich initiiert wurde die Gründung einer eigenen Wohlfahrtsorganisation der "arbeitenden Klasse" von einer Gruppe sozialdemokratischer Frauen und der Reichstagsabgeordneten Marie Juchacz, die sich von früher Jugend an politisch aktiv betätigte und die Arbeiterwohlfahrt wesentlich geprägt hat. Wichtig für das Selbstverständnis der Organisation war von Beginn an, wie Marie Juchacz später schrieb, dass sich die Arbeiterwohlfahrt nicht etwa nur als Vertreter einer kleinen Schicht fühlte. Vielmehr hielten sie es für ihre Pflicht, ihre Kräfte in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen.

Seit diesen Anfangsjahren hat die Arbeiterwohlfahrt stets fortschrittliche Sozialarbeit praktiziert. 1939, nach der Machtübernahme Hitlers, wurde die AWO zerschlagen und ihre Einrichtungen aufgelöst. Die AWO hat jedoch auch in diesen Jahren im Verborgenen weiterhin Hilfe geleistet. Auch in unserer Region haben Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt aus dem Bereich des Kreisverbandes, insbesondere aus Eschwege, nachweislich von 1933 bis 1946 mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln Armen und Bedürftigen Hilfe geleistet.

Nach 1945 zeigte sich schnell, daß die Idee der Arbeiterwohlfahrt nicht verloren gegangen war. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges entstanden überall kleine Gruppen, die sich zu Ortsvereinen zusammenfanden. So konnten auch eine ganze Reihe Ortsvereine im Kreisverband auf eine 40jährige Tradition zurückblicken.

Nach 1949 ging die Arbeiterwohlfahrt organisatorisch neue Wege. Sie hat sich als selbständige Organisation zu einem Verband der freien Wohlfahrtspflege entwickelt. Die Arbeiterwohlfahrt zählt bundesweit mehr als 560.000 Mitglieder und ist in vielen Bereichen der sozialen Arbeit aktiv. Die AWO hat bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren; gerade die Entwicklung der Sozialpolitik in der letzten Zeit und immer neue Sparvorschläge zu Lasten sozial schwacher Menschen beweisen, dass fortschrittliche Sozialarbeit nach wie vor dringend benötigt wird. Die Arbeiterwohlfahrt wird auch zukünftig unabhängig, überparteilich und konfessionell ungebunden für alle Schichten der Bevölkerung ansprechbar sein.

 

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